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Pressemitteilung Stadt Konstanz

Pressemitteilung Stadt Konstanz

HORST eröffnet Wege zur Digitalisierung

Absolventen der Hochschule Konstanz entwickeln preisgünstigen und leichten Mehrachs-Roboter für KMUs und Bildungseinrichtungen – Am Aktionstag „Digitalisierung – die virtuelle Welt zum Anfassen“ am 18. Juni an der HTWG vor.

Die zunehmende Digitalisierung wird auch bei kleinen und mittleren Unternehmen den Bedarf an Robotern steigern. Doch bisher sind die vielseitigen Helfer teuer und meist schwer zu bedienen. „HORST“, eine Entwicklung des Start-ups „fruitcore“, ist eine preisgünstige Alternative. Die Förderzusage über das Bundesprogramm EXIST bescheinigt dem Team aus Absolventen der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) Absolventen Erfolgsaussichten.

Er kann sich strecken und bücken, um die eigene Achse drehen – und kräftig zupacken: HORST ist ein flinker, zirka 70 Zentimeter großer Roboter, sein korrekter Name lautet „Highly Optimized Robotic Systems Technology“. Der Begriff „optimiert“ in seinem Namen bezieht sich auf vielerlei Eigenschaften: Eine herausragende darunter: HORST wird im Vergleich zu seinen großen und in vielen Fabrikhallen tätigen Kollegen sehr günstig zu produzieren sein. „Der Roboter besteht nicht aus teuren Armelementen, die in einem Stück gefertigt werden, sondern wird aus günstig zu produzierenden Plattenelementen aufgebaut. Dadurch entsteht eine gewichtsarme Grundstruktur, die in Kombination mit der mechanischen Anordnung der Elemente den Einsatz von kleinen und kostengünstigen Antriebseinheiten erlaubt“, sagt Jens Riegger.

Riegger ist nach einem Maschinenbaustudium an der Hochschule Karlsruhe zum Master-Studium zur Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gewechselt. Hier lernte er Tobias Erb und Manuel Frey kennen. In einem Forschungsprojekt hatten sie sich mit dem Robotermarkt auseinandergesetzt. „Daher wissen wir, dass es bisher kaum leistungsfähige Roboter im Niedrigpreissegment gibt“, sagt Riegger. Mit HORST vergleichbare Industrieroboter, die über eine Traglast von zwei Kilogramm verfügen, sind in der Grundausführung ab 18.000 € zu haben. Preise, die für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) immer noch zu hoch sind. Nachdem Jens Riegger, Manuel Frey und Tobias Erb schon für eine andere Entwicklung erfolgreich zusammen gearbeitet haben, haben sie sich Anfang 2016 der Konstruktion eines preisgünstigeren Roboters gewidmet. Die Idee für HORST war geboren. Mit ins Boot kam nun Tobias Kuentzle, ein ehemaliger Kommilitone von Jens Riegger von der Hochschule Karlsruhe. Gemeinsam tüftelten die vier weiter.

HORST ist nicht nur wegen seines Preises interessant

Das Team sieht neben der Industrie noch einen weiteren wichtigen Markt: Bildungseinrichtungen. Sie bereiten bereits jetzt Schüler und Studierende auf die weitere Automatisierung vor. „Schulen und Hochschulen haben aus finanziellen Gründen wenn überhaupt meist nur einen einzelnen Vorführ-Roboter“, sagt Tobias Erb. Künftig könnten sie sich mehrere kleine Roboter leisten, die das gemeinsame Arbeiten im Klassenverbund bzw. im Labor ermöglichen. Gemeinsam mit der Winkler Bildungszentrum GmbH werden die Firmengründer Schulungsunterlagen erarbeiten und erproben.

So soll HORST nicht nur wegen seines Preises interessant sein, sondern auch wegen seiner einfachen Bedienbarkeit. „Ein kleines Unternehmen kann nicht seine Mitarbeiter mehrere Tage zu Schulungen schicken“, erläutert Tobias Kuentzle. Deshalb soll ein innovatives Softwarekonzept auch ungelernten Bedienern einen einfachen und schnellen Einstieg in die Programmierung des Roboters ermöglichen. Dazu haben sich die Ingenieure zwei Informatiker mit ins Team geholt.

Das Konzept für Entwicklung, Produktion und Vertrieb des Roboters hat die Gutachter des Förderprogramms EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) überzeugt. Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres haben nun Absolventen der HTWG die Zusage für eine solche Förderung erhalten. „Uns freut es sehr, dass wir uns zunehmend als Hochschule positionieren können, an der Gründergeist herrscht“, sagt HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz. Ein Teil der Gründerförderung der Hochschule ist die umfangreiche Beratung bei der EXIST-Antragsstellung. Berater Ulrich Hutschek hat den Vätern von HORST Stärken und Schwächen ihres Konzepts aufgezeigt. „Das war uns eine große Hilfe“, betont Tobias Kuentzle. Nun erhalten die angehenden Gründer für zwölf Monate eine Stipendiatenvergütung, die ihnen den Lebensunterhalt sichert. Dazu kommt ein Budget für Sachausgaben und wertvolle Coachings. „EXIST ist noch keine Gründerunterstützung, sondern bietet vielmehr die finanzielle Grundlage, um die Gründung vorzubereiten“, stellt Ulrich Hutschek klar.

EXIST zur Vorbereitung der Gründung

„Wir freuen uns riesig über die EXIST-Zusage. Das ist für uns die Bestätigung, dass unsere Entwicklung in die richtige Richtung geht“, sagt Jens Riegger. Denn schon in naher Zukunft, so Tobias Kuentzle, werde ein hoher Automatisierungsgrad auch bei produzierenden KMU unerlässlich sein, um weiterhin konkurrenzfähig und gewinnbringend arbeiten zu können. Dazu gehört unter anderem: Roboter kommunizieren miteinander und arbeiten zusammen. Dazu ist HORST in der Lage. Und: Dank des niedrigeren Preises können sich KMUler gleich mehrere HORST-Roboter leisten.

Die EXIST-Förderung erlaubt dem Team, noch intensiv an der Weiterentwicklung von HORST zu arbeiten. Im Oktober möchten sie den Schulungsroboter bei der Messe MoTek in Stuttgart vorstellen. Im Sommer 2017 dann soll der doppelt so große Industrieroboter in die Produktion gehen können.

Entwicklungs- und Produktionsstätte ist übrigens das Technologiezentrum Konstanz (TZK). Hier haben die Gründer die Möglichkeit, günstig Räume zu mieten und die Infrastruktur von der Teeküche bis zur Werkstatt zu nutzen. „Wir profitieren hier sehr vom Netzwerk im Haus. Die Erfahrungen, die andere Start-ups schon gemacht haben, sind für uns sehr bereichernd“, sagt Tobias Kuentzle. „Die enge Kooperation und der vertrauensvolle Austausch mit dem TZK ist für unsere Positionierung als innovationsfördernde Hochschule sehr wertvoll. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang, damit Start-ups in Konstanz der erfolgreiche Markteinstieg ermöglicht wird“, sagt Präsident Prof. Dr. Carsten Manz.

EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Ziel ist es, das Gründungsklima an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu verbessern. Darüber hinaus sollen die Anzahl und der Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen erhöht werden. Hierzu unterstützt das BMWi Hochschulabsolventinnen, -absolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende bei der Vorbereitung ihrer technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen. Darüber hinaus fördert EXIST eine lebendige und nachhaltige Gründungskultur an öffentlichen und privaten Hochschulen.

EXIST umfasst drei Förderprogrammlinien:

  • EXIST-Gründungskultur unterstützt Hochschulen dabei, eine ganzheitliche hochschulweite Strategie zu Gründungskultur und Unternehmergeist zu formulieren und nachhaltig und sichtbar umzusetzen.
  • EXIST-Gründerstipendium unterstützt die Vorbereitung innovativer technologieorientierter und wissensbasierter Gründungsvorhaben von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
  • EXIST-Forschungstransfer fördert sowohl notwendige Entwicklungsarbeiten zum Nachweis der technischen Machbarkeit forschungsbasierter Gründungsideen als auch notwendige Vorbereitungen für den Unternehmensstart.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.konstanz.de/rathaus/medienportal/mitteilungen/09430/index.html?lang=de

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